Holzschutz, Schimmelpilze, Hausschwamm Startseite

 

Schimmelpilze - Definition

Symbol - Conidiophoren Penicillium Schimmelpilze sind wirtschaftlich von besonderer Bedeutung. In den letzten Jahren rückten diese Mikroorganismen auf Grund der "Nichtbeherrschung" komplizierter energiesparender Bauweisen und durch das Vergessen "normalen" Wohnens, zusehends in das öffentliche Interesse, gefolgt von der Mykotoxinproblematik, mit der neuerdings viele Krankheiten in Beziehungen gebracht werden.

Was versteht man unter dem Begriff "Schimmelpilze"?

Mit dem aus dem althochdeutschen stammenden Wort "Schimmel" wird eine makroskopische Erscheinungsform pilzlicher Mikroorganismen besetzt. Wie mit dem verwandten Wort "Schimmer" (Kluge 1975) versteht man landläufig Kahm, Belag.
Das Wort Schimmelpilze wurde der Umgangssprache entnommen und jahrzehntelang als selbstverständlich, keiner Definition bedürfend, akzeptiert (Kreisel 1988).

Die Altvordern der wissenschaftlichen Mykologie wie Ehrenberg (1820) , Schilling (1827) , Lenz (1840) verstehen unter einem Schimmelpilz einzelne Gattungen.  Corda (1839) verwendet den Begriff für eine Vielzahl mikroskopischer Pilzarten. Brefeld  (1872ff.) benennt die gemeinsten Arten, Vertreter der Mucoraceae und Penicillium ohne Begriffsbestimmung als Schimmelpilze.

Bis dato wurden die verschiedensten Begriffsbestimmungen angeboten:

Umfassendere gründlichere Definitionen bieten Delitsch (1943) und Reiss (1973, 1976) an. Reiss (1986) versteht weiterführend unter dem Begriff "Schimmelpilze" in erster Linie Pilze, die auf Lebens- und Futtermitteln wachsen und hohe wirtschaftliche Verluste verursachen. Er führt in einer Reihe von Beispielen Materialien auf, die unter geeigneten Bedingungen von Schimmelpilzen besiedelt und geschädigt oder destrukturiert werden können.

Schimmelpilzbefall auf Materialien:

Im Keller vergessene Ledersandale mit Eurotium sp. - mikroskopisch kleine, gelbliche Fruchtköper sog. Kleistothecien überziehen Leder

Schimmelpilz-Begriff von Hans Kreisel

Die wissenschaftlich treffendste und fundierteste Definition des Begriffs "Schimmelpilze" ist die von Hans Kreisel (1988) .

Nach Hans Kreisel stellen Schimmelpilze keine taxonomische oder morphologische , sondern eine ökologische Kategorie dar. Sie ist umgangssprachlich von alters her verbunden mit Organismen, welche die Fähigkeit haben, Lebens- und Futtermittel und andere Produkte menschlicher Tätigkeit oberflächlich zu besiedeln und zu verderben. Die betreffenden Pilze sind dazu in der Lage auf Grund mehrerer morphologischer und physiologischer Besonderheiten, deren Gesamtheit ihre spezielle Lebensstrategie ausmacht.

Schimmelpilze werden charakterisiert durch:

Penicillium vulpinum auf künstlichem Nährboden
  1. ruderale Lebensweise
  2. filamentöses Wachstum
  3. hohe Wachstumsgeschwindigkeit
  4. hohe Sporulationskapazität
  5. überwiegend (oder ausschließlich) vegetative Vermehrung
  6. parasexuellen Zyklus
  7. Empfindlichkeit gegenüber Boden-Fungistasis
  8. ubiquitäres Vorkommen
  9. kosmopolitische Verbreitung
  10. Produktion eines reichen Spektrums von Metaboliten, die in das Substrat bzw. Medium abgegeben werden (darunter im Gegensatz zu Hefen, mannigfache Sekundärmetabolite).

Die genannten Eigenschaften machen einerseits die Schimmelpilze zu Antagonisten des Menschen, dessen Vorräte und Produkte sie der Biodeterioration unterwerfen, andererseits machen sie die Schimmelpilze besonders interessant für Zwecke der allgemeinen und technischen Mikrobiologie, nicht zuletzt der Biotechnologie.

Aufgrund ihrer Lebensstrategie sind Schimmelpilze bequem kultivierbar, leicht zu vermehren und überhaupt zu Leistungen fähig, welche man von anderen morphologisch-ökologischen Pilzgruppen (z.B. Phytoparasiten, Mykorrhizasymbionten, Holzzerstörern, Koprophilen, Dermatophyten) nicht im gleichen Maße oder überhaupt nicht erwarten kann.

Nach den hier gegebenen Kriterien umfassen die Schimmelpilze etwa 260 bis 300 Arten aus ca. 75 Gattungen der Eumycota. Die meisten von ihnen sind auch als Bodenpilze bekannt, aber bei weitem nicht alle Bodenpilze sind zugleich Schimmelpilze.

Ähnlich wie die Hefepilze sind Schimmelpilze als phylogenetisch jung zu betrachten (Kreisel, 1985) . Reduktion und Verlust der sexuellen Fortpflanzung sind als abgeleitete (apomorphe) Merkmale anzusehen; die morphologische und biochemische Vielfalt, die Schwierigkeit der Artabgrenzung indizieren eine in voller Entfaltung begriffene Gruppe.

Bei den Pilzen führt die Evolution mutmaßlich von symbiontisch oder parasitisch lebenden Organismen mit langsamer Entwicklung und oft kompliziertem Generationswechsel (z.B. Rostpilze) zu saprophytischen, ubiquitären, sich vorwiegend vegetativ durch Konidienbildung oder Sprossung vermehrenden Gruppen mit rascher Generationsfolge. Somit sind Hefepilze, die Schimmelpilze und andere imperfekte (anamorphe) Gruppen als jüngste (polyphyletische!) Auszweigungen am Stammbaum der   Eumycota  zu interpretieren.

Seitenanfang

Start  ‌  Kontakt  ‌  Sitemap


Schimmelpilze:  Bedeutung  ‌  Kalamitäten  ‌  Nachweisprobleme  ‌  Mykotoxine  ‌  Stachybotrys  ‌ 

© 2005 by Selmar Petzoldt