Die Ordnung der Mucorales umfasst 7 Familien, von denen die Mucorineen von ihrer Bedeutung her herausgestellt werden sollen.
Die Familie umfasst derzeit 18 Gattungen, worunter Mucor als die primitivste gesehen wird. Häufige und auch optisch auffällige Arten, wie Mucor spp. (59 Arten), Rhizopus spp. (13 Art-Gruppen), Absidia spp. (21 Arten) sind von wirtschaftlicher Bedeutung. Sie sind bodenbürtige Saproben, zumeist Erstglieder in den Abbau-Sukzessionen, die vorwiegend auf Dung, faulenden Pflanzen- und Tierresten zu finden sind.
Ihre wirtschaftliche Bedeutung findet sich im Rahmen der technischen-Mikrobiologie bei der Produktion von Enzymen und diversen Hilfsstoffen. Rhizopus-, Mucor-, Cunninghamella-Arten sind in der Lage, stereospezifische Hydroxylierungen am Steroidgerüst durchzuführen. Sie werden deshalb zur partialsynthetischen Herstellung von Steroidhormonen genutzt. Lysergsäurederivate sind nicht nur Stoffwechsleprodukte von Claviceps purpurea, sondern auch bei höheren Pflanzen und Schimmelpilzen, wobei auch Rhizopus-Arten eine Rolle zukommt.
Besonders wichtig sind Mucor-, Actinomucor- und Rhizopus-Arten bei der fermentativen Herstellung asiatischer Lebensmittel.
Als Antagonisten sind sie auffällig an der Lebensmittelverderbnis beteiligt. Auch als Pathogene sind sie als Erreger sogenannter Mucormykosen bekannt. Unter anderen Mucor- und Rhizopus-Arten schädigen Absidia corymbifera, Absidia glauca, Rhizomucor pusillus das menschliche Zentralnervensystem bzw. die Gehörorgane.
Im Zusammenspiel mit anderen Organismen ist die thermophile Art Rhizomucor miehei an der Selbsterhitzung feucht eingelagerten Heus verantwortlich.
Asexuelle Fortpflanzung (Anamorphe)Bei den Mucorales beobachtet man sehr mannigfaltige vegetative Vermehrungstypen. |
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Mucor plasmaticus auf ErdbeerenMucoraceen sind ephemere Erstbesiedler von kohlenhydrat- und proteinreichen Substraten. Auf verderbenden Früchten und frischem Kot sind diese unübersehbar. Im Erdboden sind sie ebenfalls stark vertreten. |
Sporangien von Rhizopus sp.Rhizopus microsporus var. rhizopodiformis (Cohn) Schipper & Stalpers: Lupenaufnahme mit dem typischen Habitus der Sporangien und der rhizoiden Trägerstrukturen. Auf mit Wärme behandelter Hausschwamm-Kultur (Holzklötzchen) bei Wieder- belebungsversuch auf Benomyl-Agar gewachsen. |
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Parasitella parasitica lebt saprobisch und parasitär. Als Parasit bildet die Art an den Wirtshyphen sogenannte Schröpfköpfe oder Gallen, in der Reife schliessen sie ab als Sykiospore, die dann wiederum keimfahig ist. |
Mucor hiemalis - Aufgelöste Sporangienwände, übrig bleiben Kolumellen (C). Interkalar bilden sich in den Hyphen Gemmen (G), sog. Chlamydosporen, die als Dauersporen unwirtliche Perioden überstehen |
Die Familie beinhaltet die einzige Gattung Mortierella, in der 73 anerkannte Arten beschrieben sind. Sexuelle Fortpflanzung ist bei den Vertretern dieser Gattung selten zu beobachten!
in statu nascendi
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© 2006 by Selmar Petzoldt