Der Einfluss von Schimmelpilzen, der durch übermäßige Feuchtigkeit in Wohn- und Arbeitsräumen entsteht ist unumstritten gesundheitsschädlich! Die auffälligsten gesundheitlichen Beeinflussungen äußern sich in allergischen Reaktionen. Medizinisch bzw. arbeitsmedizinisch werden 3 Allergietypen unterschieden, die alleinig durch Schimmelpilze verursacht werden:
bekannt sind. Hierbei spielen leicht flüchtige, gasförmige Stoffwechselprodukte (MVOC) und giftige Stoffwechselprodukte (Mykotoxine) eine bedeutende Rolle.
Neben dieser indirekten Einflussnahme unserer ungeduldeten "Mitbewohner" treten Schimmelpilze als opportunistische Pathogene auf, die Infektionen im Respirationstrakt, insbesondere bei immungeschädigten Personen verursachen. Darüber hinaus können Myzetome ("Pilznester") in der Lunge von stark mykotoxigenen Schimmelpilzen, "Initialzünder" für Karzinome sein. Verursacher solcher folgenschweren Krankheiten sind karzinoge Mykotoxine (z.B. Aflatoxine).
Abgesehen von den Ursachen der Entstehung, hängt auch der Kontakt mit Pilzen und deren Metaboliten in den Arbeits- und Wohnräumen auch von diversen innenraumklimatischen Bedingungen, wie Temperatur, relative Luftfeuchte und Luftbewegung ab. Diese Parameter sind bedeutend in Bezug auf die Emission der pilzlichen Propagationsformen (insbesondere Sporen) und Partikel, gasförmigen mikrobischen Ausscheidungen und feinster Partikel., die Träger von Schimmelpilzmetaboliten sind. Noch können keine Dosis-Wirkungs-Effekte zwischen dem Kontakt von Pilzen und deren Metaboliten in Bezug auf gesundheitliche Beeinträchtigungen quantifiziert werden. Deshalb können noch keine Richtlinien unter diesem Kontext gegeben werden.
Jedoch, mit dem Wissen um die Gesundheitschädlichkeit der "Indoor-Pilze" kann ein sichtbarer Schimmelpilzbefall in nicht industriellen Innneräumen (Wohnräume, Arbeitsräume wie Büros etc., Schulen, Kindergärten) aus medizinischer und hygienischer Sicht nicht akzeptiert werden.
Die Vermeidung von Schimmelpilzbefall sollte in erster Linie konstruktiv gelöst werden. Biozideinsatz hat nur in letzter Instanz zu erfolgen, solange die potenziellen Gesundheitsrisiken bei dessen Gebrauch in Innenräumen verstanden werden. Besonders kritisch muss der Fungizideinsatz an großflächig verschimmelten Objekten, wie z.B. Kirchenorgeln gesehen werden. Orgelpfeifen sind besonders in den letzten Jahren durch starken Schimmelbewuchs in ihrer Klangqualität gefährdet. Die Gesamtheit der inneren Oberflächen kann die Größe eines Fußballfeldes aufweisen. Hier sind Speziallösungen der Dekontaminierung und des Fungizideinsatzes gefragt.
Da lebende und tote pilzliche Partikel gesundheitliche Effekte auslösen können ist es von Bedeutung zur Abschätzung gesundheitliche Risiken Informationen über Luft- und ggf. Sedimentproben zu erhalten, wobei es unerläßlich ist beide Partikeltypen zu erfassen. Leider gibt es keine ideale Methode zur Sammlung von Partikeln in Innneräumen. Die Erfassung von lebenden Partikeln mit herkömmlichen passiven und aktiven Luftsammler ist mit großen Streuungen behaftet und wenig reproduzierbar. Mit den bekannten Methoden ist jedoch bei intelligenter Handhabung Schimmelpilzstress zu erkennen.
Ungleich schwieriger ist die quantitative und qualitative Erfassung toter Pilzpartikel. Hierbei wird viel Erfahrung bei den untersuchenden Personen vorausgesetzt.
Nach Samson (1992) ist die Mykoflora der Innenräume in den borealen Breiten bekannt. In den gemäßigten Klimazonen können keine großen geografischen Variationen in den Artenspektren beobachtet werden. Wogegen in den subtropischen und tropischen Klimaten diesbezüglich noch weitreichende Forschungen nötig sind.
Bei der Erfassung der Schimmelpilzflora in belasteten Räumen sollten die Pilze weitestgehend bis zur Art bestimmt werden. Neben der gesundheitlichen Relevanz fungieren einzelne Arten als intramurale ökoklimatische Indikatoren. So geben uns Primär-, Sekundär- und Tertiärbesiedler Informationen zur Feuchtigkeitsentwicklung in den Räumen und nicht zuletzt über die Ursachen Auskunft. Zum Beispiel muß man bei Anwesenheit des stark gesundheitsschädlichen Schwarzschimmels Stachybotrys chartarum auf sehr starke Feuchtigkeitsentwicklungen schließen, die in praxi in der Majorität durch Leckagen verursacht werden.
© 2005 by Selmar Petzoldt