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Echter Hausschwamm (EHS)
Biologie, Vorkommen & wirtschaftliche Bedeutung

 

lat.: Serpula lacrymans (Wulfen) P. Karsten 1884
(ältere Schreibweise: S. lacrimans - siehe Nomenklatorische Bemerkungen)

Echter Hausschwamm - Pilz des Jahres 2004

Die Deutsche Gesellschaft für Mykologie (DGfM) hat den Echten Hausschwamm zum ¨Pilz des Jahres 2004¨ gewählt, um auf seine oft unterschätzte wirtschaftliche Bedeutung und Häufigkeit hinzuweisen.

Ein allgemeiner Überblick

Echter Hausschwamm, Fruchtkörper

Hausfäulepilze, insbesondere der Echte Hausschwamm  sind seit der Sesshaftwerdung des Menschen von ökonomischer Bedeutung. Vorbeugende und bekämpfende Maßnahmen gegen diese "Holzfresser" sind zum Schutz und der Erhaltung von Gebäuden nach wie vor von höchster Bedeutung.
Werden tragende und aussteifende Holzbauteile befallen, kann das zu schweren Schädigungen eines Gebäudes führen und unter Umständen sogar Menschenleben fordern. Auf Grund dieser hohen wirtschaftlichen Bedeutung ist der Umgang mit Hausschwammkalamitäten durch konkrete Gesetzgebungen (z.B. BGB) und
 DIN-Vorschriften in Sanierungsfällen geregelt.

Bereits in der Bibel (3. Buch Mose Kapitel 14, Absatz 34-48) sind wahrscheinlich die ersten Regelungen in der Menschheitsgeschichte - im Umgang mit dem "Aussatz des Hauses" - aufgestellt worden. Damals war der "Aussatz" beim Rabbi anzuzeigen. Früher war das Auftreten eines Hausschwamms in den meißten Bundesländern Deutschlands neben dem Befall von Hausbock und Termiten gemäß Landesbauordnungen in den jeweiligen Baubehörden anzeigepflichtig. (siehe ivd Info)

Der Hausschwamm erzeugt Braunfäule

Der  Echte Hausschwamm  gehört zur praktischen Gruppierung der Hausfäulepilze, die eine Braunfäule verursachen. Im Sprachgebrauch findet man noch Begriffe wie Trockenfäule (engl.: dry rot) oder auch Destruktionsfäule. Die mechanischen Eigenschaften der Konstruktionshölzer werden im starken Maße durch den Abbau von Zellulose herabgesetzt. Übrig bleibt letztendlich eine braune, brüchige Ligninmasse, das braunfaule Holz. Typisch für braunfaules Holz ist der Würfelbruch mit Rissen quer und längs zur Faser. Im Endstadium zerfällt die braune Masse unter leichtem Druck zu Pulver. 90-95% aller Holzschäden durch Hausfäulepilze an Gebäuden werden durch Braunfäuleerreger verursacht, die Cellulose, Hemicellulose und Pektine, nicht aber das Lignin abbauen.

Im Gegensatz dazu gibt es Holz zerstörende Pilze, die eine Weißfäule erzeugen, die alt hergebracht auch als Korrosionsfäule bekannt ist. Hier werden alle Holzbestandteile abgebaut, in erster Linie das Lignin, in Sukzession oder auch simultan die Zellulose etc. Auffällig ist zumeist die farblose, lockerfaserige Struktur der Zellulose, wonach der Fäuletyp seinen Namen hat.

Die einzelnen Arten der Hausfäulepilze kommen in situ selten in Reinkultur vor. Sie stellen unterschiedliche Ansprüche an Feuchtigkeit, Temperatur, Holzart u.v.a. und dominieren ggf. bei Eintritt der jeweiligen optimalen Wachstumsbedingungen.

So ist der Echte Hausschwamm nicht selten mit dem Braunen Kellerwarzenschwamm vergesellschaftet. Letzterer bevorzugt für ein optimales Wachstum höhere Feuchtigkeitsverhältnisse (Nassfäule). Beide Arten werden in Europa als die ökonomisch bedeutendsten Holzzerstörer in Gebäuden erachtet. Nach Erhebungen in den 70iger Jahren waren in Grossbritannien 5 - 28% der Wohnhäuser mit Hausschwamm und 17 - 30% durch Naßfäulepilze, insbesondere Kellerwarzenschwamm geschädigt worden. Allein für den Ersatz des zerstörten Holzes müssen die Briten jährlich Bauholz im Wert von ca. £200 Mio. importieren.
Allein, die Schäden durch Trockenfäule (dry rot) beziffern Jennings & Bravery (1991) auf £150 Mio.
In Deutschland schätzt man derartige Schäden auf etwa 200 Mio. €/Jahr  (Behling, 2004).

Hausschwamm - Paradies, zerfallende Altbausubstanz

Nach dem II. Weltkrieg hatten die zerstörten Städte ein großes Hausschwammproblem.
Mykologen fanden in den Ruinen und beschädigten Häusern ein reichliches Betätigungsfeld, wie  Lohwag und Frau  Theden. Letztere artikulierte seinerzeit für Berlin eine unübersehbare Hausschwammkalamität.

Auf dem Gebiet der ehemaligen DDR mit ihrem maroden Immobilienbestand nahm der Hausfäulebefall mitunter Nachkriegszustände an. Wie im neben stehenden Bild gab es Stadtteile mit zerfallenen Häuserzeilen. Hier war ein Eldorado für zahlreiche Arten der Hausfäulepilze zu finden.

Die Hausfäulepilze treten nicht nur in alten baufälligen, sondern auch in neu errichteten Gebäuden auf. Die Hauptursache für deren "Aufflammen" ist Feuchtigkeit, die in der Hauptsache durch Schäden, Baumängel und Baufehler an sensiblen Stellen eines Hauses entstehen kann. Im Neubau werden nicht selten die komplizierten Systeme der Wärmedämmung und Feuchtigkeitsperren nicht beherrscht, so dass Feuchtigkeit durch Kondensation und Leckagen entsteht und "eingesperrt" wird. Diese Feuchtigkeitsnester sind in der Regel Ausgangspunkte eines Schwammbefalls oder anderer Hausfäulepilze.

Verbreitung, Morphologie und Wachstumscharakteristika

Der Echte Hausschwamm kommt, außer den Tropen, weltweit vor und befällt ausschließlich verbautes Holz. In den borealen Klimazonen der Erde ist er im Freien kaum zu finden. Er hat sich besonders an die Bedingungen in Gebäuden anpassen können. Nach  Harmsen (1960)  findet man ihn im Freiland der subtropischen Bergwälder des Himalaya. In Europa konnte bisher nur Kotlaba (1992) in Czechischen Wäldern Hausschwammfunde machen. Bestätigt wurden diese Vorkommen durch White et. al. (2000) und Palfreyman (2002) mittels molekularbiologischer Methoden.
In den USA findet der Echte Hausschwamm in Meruliporia incrassata (MI) seinen counterpart. Letzterer ist dort der häufigste und berüchtigtste Gebäudeschädling (house eating fungi), wogegen der Echte Hausschwamm nur und eher selten im Nordosten des Landes auftritt (M. Pierce, Cornell University)
(Weitere Infos zu Meruliporia incrassata (Berkeley & M.A. Curtis) Murrill, Mycolog"(1942),5: 596)

Besonders charakteristisch sind für den Echten Hausschwamm die Myzelstränge, sog. Rhizomorpha, mit denen er trockene, nährstoffarme Bereiche durchwächst, z.B. Mauerritzen, und die, auf frisches unzersetztes Holz gelangt, zu neuen Myzelien und Fruchtkörpern auswachsen können  (Falk 1912). Die Stränge sind bis zu Bleistift stark, im Querschnitt meist rundlich, in der Jugend weiß, zäh und biegsam, im Alter grau bis schwärzlich und spröde. Sie bestehen aus einem äußeren Grundgewebe (Kortikal-Schicht) von Faserhyphen und dünnwandigen undifferenzierten Hyphen, die mit "Rankefäden" (Tendrilhyphen) durchwachsen sind und die inneren Kanäle (Gefäßhyphen) ummanteln. Die Gefässhyphen werden im Zentrum von englumigen Faserhyphen und undifferenzierten Hyphen umwoben. Sie sind somit sehr stabil und können den Wasserleitungstransport über mehrere Meter zum Frontmyzel (Luftmyzel) in die "Trockenregion" aufrecht erhalten.

Echter Hausschwamm, Hymenium, Basidie mit reifenden Basidiosporen

Zur generativen Vermehrung werden unregelmäßig geformte  Fruchtkörper (FK) gebildet, angepasst an die Topographie der Unterlagen. Die Fruchtkörper können nur aus Myzel entstehen, niemals direkt aus Myzelsträngen. S. lacrymans produziert  resupinate, effuso-reflexe und pileate FK. Letztere haben eine Breite bis zu 13,5 cm und die resupinaten erreichen einen Durchmesser bis zu 1 m und sehr selten 2 m  (Lohwag, 1955). Der FK haftet am Substrat und die Fruchtschicht, das Hymenium wird immer an der vom Substrat abgewendeten Seite entwickelt (positiver Geotropismus). Der dicke und scharfe  Rand des FK ist ein deutliches Merkmal für den Hausschwamm. Bei gesättigter Feuchtigkeit bilden sich auf dem Rand Guttationstropfen.

Das meruloide Hymenium (Fruchtschicht) färbt sich bis zur Reife zimt-braun, aufgrund der gebildeten Sporenmasse. Im gereiften Stadium ist es dicht mit Basidien besetzt. Eine Basidie bildet vier Sterigmen an denen die Basidiosporen sukzessive oder simultan reifen (siehe Entwicklungszyklus Basidiomyceten).

Ein interessantes Phänomen der Fruchtkörperbildung konnte vom Autor beobachtet werden. Fungicole Collembolen  (Lepidocyrtus paradoxus ), die oft in grossen Gruppen auf wattigem Myzel ";weiden"; regen die Bildung von Fruchtkörpern an. Ihre Ausscheidungen oder Verdauungssekrete müssen wuchstoffähnliche Substanzen enthalten. (siehe Pilze fressende Insekten - Seite noch nicht verfügbar)

Basidiosporen und Dauersporen als Reinfektionskeime

Echter Hausschwamm - Basidiosporen, Hausschwamm-Sporen

In befallenen, unbewohnten Gebäuden oder vernachlässigten Kellerräumen findet man hin und wieder rotbraune Sporenteppiche (Basidiosporen). Die Reinfektionsfähigkeit durch Basidiosporen  (siehe Abbildung rechts) ist gegeben, aber deren Bedeutung in situ schwer einzuschätzen. Anzunehmen ist, dass der Pilz durch seine gestreuten Sporenmassen schwer zu kontrollieren und ausuzurotten ist. Unter optimalen Bedingungen schätzt  Falk (1912)  auf 1 m2 Fruchtkörperfläche innerhalb einer Zeiteinheit von 10 Minuten eine Sporenbildung von 5 x 108 Sporen. Nicht jede Spore ist keimfähig.  Czaja und Pommer (1959)  schätzen die Keimfähigkeitsrate auf 25 - 40%, die mit zunehmenden Alter rapide abnimmt. Es gibt Quellen, worin die Keimfähigkeit bis zu 30 Jahren angegeben wird. Eigene Beobachtungen und die von  Hegarty  et. al (1987) zeigen eine Lebensdauer unter Lagerbedingungen von 2 - 5 Jahren. Unter sehr trockenen Bedingungen (Holzfeuchteäquvalente < 9% um), wie man sie heute in Wohnräumen mit Konvektionsheizungen findet, sind die Sporen in der Majorität nach einem Jahr abgestorben.

Nicht kalkulierbar und deshalb problematisch sind Echter Hausschwamm, Chlamydosporen  Chlamydosporen (siehe Abb. rechts) und  Arthrosporen (Oidiosporen, Gemmen), die das Substratmyzel nach Stresssituationen (z.B. beginnende Austrocknung) oder auf dem Substrat, der Holzoberflächen, auszubilden vermag. In der Literatur sind dem Verfasser bisher nur Beschreibungen zum Vorkommen aus Kulturansätzen bekannt! Die Fähigkeit des Wiederaufflammens eines Hausschwamms aus der Trockenstarre wird i.H. mit der Existenz von Arthrosporen oder auch Chlamydosporen erklärt - ebenso die Wiederbelebung uralter Hausschwammkalamitäten in mittelalterlichen Gemäuern. Um diesen Sachverhalt zu klären bedarf es noch umfangreicher Forschungen.

Infektion von Holz durch Basidiosporen

Echter Hausschwamm - Myzelentwicklung  auf Wasseragar

Die Basidiosporen des Hausschwamms sind in vitro schwer zur Keimung und Entwicklung zu bringen. Lange Zeit glaubte man deshalb, dass Holz nicht durch Sporen infiziert werden könne. Dennoch wurde von  Hartig (1858), Falck (1912) und Czaja (1959) die Meinung vertreten, dass eine Erstinfektion in Häusern nur durch Sporen möglich sei. Auf gesundem Holz kann sich keine Spore entwickeln. In Kultur lässt sich Keimung und Myzelentwicklung durch Applikation von Vitaminen (B-Komplex und Ascorbinsäure) induzieren. In vivo muss das Holz bereits vorbereitet sein, das heißt neben der notwendigen Feuchtigkeit müssen alle wichtigen Wuchsstoffe vorliegen. Diese Stoffwechselprodukte ";applizieren"; in vivo begünstigende Schimmelpilze, die zumeist auch Moderfäulepilze sind. Eine Keimung kann bei Raumtemperatur auf ";vorgeschimmelten"; Holz bis zu mehreren Wochen dauern. Selbst bei einer dichten Sporensaat, keimen oft nur wenige. Wenn die Keimung und Entwicklung zustande kam wächst das Myzel über die begünstigenden Schimmelpilzrasen hinweg.
Im nebenstehenden Foto wird deutlich, dass Schimmelpilze sogar als Nährbasis dienen können. Aus dem Zentrum des Inokulums heraus entwickelt sich Myzel, welches nur über den Rasen von Penicillium chrysogenum wächst. Auf dem sehr nährstoffarmen Medium in der Petrischale gedeiht auch der Schimmelpilz spärlich, bietet aber dem Hausschwammmyzel Entwicklungsmöglichkeiten, das auf dem Hungermedium allein nur ein sehr eingeschränktes Wachstum haben würde.

Echter Hausschwamm auf einem Dielenbrett, gelbe Hemmzone

Wie sich Schimmelpilze positiv auf die Sporenkeimung und Myzelentwicklung auswirken, so können sie auch antagonistisch sein. Es gibt eine Vielzahl von ihnen, sogenannte fungicole Schimmelpilze, insbesondere Vertreter aus der Gattung Trichoderma parasitieren diverse Basidiomycetes.

Auf der nebenstehenden Abbildung kann man deutlich die Myzel-Hemmung durch Schimmelpilze sehen. Verschiedene Schimmelpilzarten in der Hauptsache Trichoderma viride stoppen die Ausbreitung des Hausschwammmyzels, insbesondere in der Startphase seiner Entwicklung. Der gelbe Hemmhof den das Hausschwammyzel bildet ist ein deutliches Zeichen hierfür. Erklärbar wird somit, warum so mancher Hausschwamm trotz günstiger Wachstumsbedingungen dennoch "stecken" bleibt. Beobachtet wurde jedoch, dass bereits üppig entwickeltes Hausschwammmyzel ";im Wege stehende"; Antagonisten, auch Trichoderma viride oder T. pseudokoningii (häufiger Grünschimmel auf feuchtem Holz) überwuchern kann.

Nomenklatorische Bemerkungen

Für den Echten Hausschwamm gibt es zahlreiche binomiale Namensgebungen, einer der sich unberechtigterweise bis heute gehalten hat und tatsächlich in der Literatur unrichtigerweise Anwendung findet ist Merulius lacrymans. Die Gattung Merulius wurde von Haller 1742  eingeführt. Auf Grund des gemeinsamen  meruloiden  Hymenophors gehörte der Hausschwamm und seine verwandten Arten lange Zeit zu dieser Gattung oder gar Familie. Heute akzeptiert man Merulius als die Typengattung der Meruliaceae (Corticiaceae s.l.), eine Familie in der Ordnung der Stereales, mit zahlreichen corticoiden und poroiden Gattungen, die schmale, zylindrische, dünnwandige, hyaline Sporen besitzen. Merulius zeigt enge Verwandtschaft zu Phlebia (Kammpilze).

Donk (1964)  revidiert die Familie der Coniophoraceaen - er gliedert hier Serpula ein. Für ihn ist kennzeichnend, das sich vedickende Hymenium; gestreckte Basidien und glatte gelbbraune Basidiosporen mit einer doppelten cyanophilen Wand.

Fries  korrigierte im Jahre 1821 die ursprüngliche, nicht korrekte Schreibweise  Wulfens (1781) - lacrymans zu lacrimans.

Nach dem Artikel 73.1 des Internationalen Codes der Botanischen Nomenklatur von 1988 ist die originale Schreibweise des Epithetons (Artname) aufrecht zu halten, außer bei typografischen oder orthografischen Fehlern. Seither wird wieder das Epitheton "lacrymans" verwendet.

Eine Aufstellung der bekannten Synonyme des Echten Hausschwamms sind bei Tobias Huckfeldt nachzulesen.

Wissenschaftliche Benennung des Hausschwamms

Es gibt letztendlich mehrere Auffassungen für die exakte, explizite wissenschaftliche Benennung:

Serpula lacrymans (Wulfen.: Fries) Schröter 1888 apud Cohn(Pegler 1991)
Serpula lacrymans (Wulfen apud Jacquin: Fries) Schroeter 1888(Huckfeldt 2003)
Serpula lacrymans (Wulfen) J. Schröt. 1885(Kew Index, 2006)
Serpula lacrymans (Wulfen) P. Karsten 1884(CBS Database, 2004)

Bekämpfende und vorbeugende Maßnahmen - Vorschriften

Auf Grund seiner Wachstumsstrategie ist der Hausschwamm in einem Gebäude ungleich schwerer zu bekämpfen als die übrige "Schar" der Hausfäulepilze. Um diesem ¨Lebenskünstler¨ bei zu kommen, muss man seine Biologie gut kennen. Bekämpfungsmaßnahmen nach anerkannten Regeln aus Wissenschaft und Technik müssen unbedingt Anwendung finden.

Die Einschätzung von biotischen und bauphysikalischen Schadensursachen und deren Umfängen sollte unbedingt durch erfahrene, sachverständige Personen erfolgen, die für den Einzelfall geeignetsten Bekämpfungsmaßnahmen erarbeiten. Auf dieser Grundlage haben Sanierungsleistungen durch zertifizierte Fachfirmen zu erfolgen. Maßgebend für die Durchführung von Sanierungen Hausschwamm befallener Immobilien sind die DIN 68 800 Teil 4, DIN 52 175, das WTA-Merkblatt ¨Der Echte Hausschwamm¨, Verdingungsordnung für Bauleistungen (VOB – Teil B) und die Vorschriften der Bauordnungen der Bundesländer.

Vorschriften u. Kommentare

Die herkömmlichen Schwammbekämpfungsmaßnahmen bestehen im wesentlichen in der Substitution der befallenen Holzbauteile, der chemsichen Behandlung befallener Wände mit in situ  fungistatisch wirkenden Schwammsperrmitteln und der vorbeugenden chemischen Behandlung der neuen Holzbauteile. Der Hausschwammherd wird zum ";gesunden"; Baukörper hin abgesperrt. Das Bekämpfungsziel ist seine Aushungerung. Fungizide Mittel, die als Zellgifte wirken und eine Abtötung des Hausschwamms zur Folge hätten, wie Quecksilber-, Arsenverbindungen, PCP (Pentachlorphenol) sind hochtoxisch, folglich im Wohnbereich und aus Umweltgründen nicht anwendbar. Die zum Einsatz kommenden und gesetzlich zugelassenen Schwammsperrmittel und Holzschutzmittel (HSM) sind im aktuellen Holzschutzmittelverzeichnis aufgeführt. Als Wirkstoffe kommen Borsalze und ";Quats"; (Quaternäre Ammoniumverbindungen) in Frage, Substanzen, die eine geringe Toxizität gegen Warmblüter aufweisen, jedoch akut giftig gegen Insekten, Pflanzen, Algen, Pilze bzw. Schimmelpilze sind.

In alter kunsthistorisch wertvoller Bausubstanz sind zu deren Erhaltung nicht selten bekämpfende Sonderverfahren auszuarbeiten, die nicht immer konform mit den technischen Vorgaben sind. Im unmittelbaren Zusammenhang tut sich nicht selten die Frage nach dem Sinn und Notwendigkeit einer Schwammbekämfung auf, wenn ein nachweislich abgestorbener Alt-Befall vorliegt?! Es ist nicht selten, dass im Altbau sehr alte Schäden gefunden werden, die durch die Altvordern längst behoben wurden und eine Austrocknung des Baukörpers zur Folge hatten. Zum Aufschrei und brachialen Schwammbekämpfungsmaßnahmen zwingen oft die verbliebenen ";herbarisierten"; Myzelien, Myzelstränge und Fruchtkörperreste.

Das ist ein unter Fachleuten heftig umstrittenes Problem und löste Polemik aus, wenn auch die Rechtsprechung nicht hinter einer alternativen Baulösung steht. Unter diesem Aspekt werden nur all zu häufig Bauwerke unsinnigerweise ";vergewaltigt";, nach dem rechtlich unumstrittenen Prinzip des sichersten Weges. Beispiele gibt es genug in Kirchen, Schlössern, in von Bombentreffern geschädigten Häusern etc.

Zahlreiche eigene Erfahrungen bestätigendies, siehe Beispiele: Berliner Mietshaus;   Kirche

Sonderbekämpfungsverfahren - Heißluft- oder Infrarotbehandlung

Bewährt hat sich die Heißluftbehandlung in Gebäuden beim Einsatz gegen Insekten und fand seine Anerkennung in DIN 68 800-4, Absatz 5.3 (DIN 1992). Umstritten ist der Einsatz bei der Bekämpfung des Hausschwamms in Gebäuden und findet in DIN 68800-4, Abs. 5. keine Zulassung. In Dänemark hat dieses Verfahren bereits in der Praxis volle Anerkennung und Zulassung gefunden. Hier in Deutschland findet es seine Anhänger und Befürworter bei der effektiven Bekämpfung des Hausschwamms in Gebäuden mit historischer Wertigkeit, mit der Absicht einer schonenden Behandlung der Bausubstanz. Hierbei muß der Bereich des zu behandelnden Baukörpers in allen Teilen auf mindestens 55°C (60°C) für 1 Stunde aufgeheizt werden. Mit dieser Temperatur erreicht man den labormäßig bestimmten thermalen Totpunkt des Hausschwammmyzels. Von großer Bedeutung ist hierbei die Durchheizung aller kritischen Querschnitte auf die letale Temperatur, sonst besteht in Randbereichen die Gefahr der Stressbildung, wobei das Hausschwammmyzel zum Einkernmyzel (Monokaryont, haploides Myzel) degenerieren kann. Dieser Myzeltyp ist temperaturbeständiger und weist höhere Temperaturobergrenzen auf   (Schmidt, O. 1994). Daher ist es von großer Bedeutung, dass man die Durchheizung des Baukörpers bei jeder Durchführung sehr kritisch prüfen muss. Dazu dienen insbesondere die Plazierungen von lebenden Kulturstämmen des Echten Hausschwamms im Baukörper.

Zur Aufheizung des Mauerwerks setzt sich mehr die Infrarotbestrahlung durch. Auch hier muss die Kerntemperatur im Mauerwerk von 60°C für eine Dauer von 2 Stunden erreicht werden. Oberflächentemperaturen von 65°C werden hierbei nicht überschritten.

Neuerdings ermittelte  Huckfeldt (2003)  im Labor Letaltemperaturen um 70°C, die also um 15-20°C höher liegen als die bei Heißluftverfahren zugrunde gelegten Temperaturen. Für die Bekämpfungspraxis bedeutet dies Aufheiztemperaturen über den zu behandelnden Querschnitt von 75° bis 80°C.
O. Schmidt (2007) ermittelte für Arthrosporen eine Hitzetoleranz von 95º C!!

Das Wissen um diese neu ermittelte Obergrenze der Letaltemperatur wirft in praxi Probleme auf. Die Nachteile, die sich durch erhöhte Brandgefahr, verstärkten Materialstress und Kostensteigerung ergäben, würde dieses Verfahren aus der Bekämpfungspraxis verbannen!!

Sonderverfahren - Begasung

Methylbromid wurde in der Regel in Gebäuden mit historischer Wertigkeit zur simultanen Bekämpfung von Holz zerstörenden Insekten und Hausschwamm eingesetzt.

In historischen Gemäuern, in denen sich der Hausschwamm etablieren konnte, wurde dieser sehr erfolgreich mit Methylbromid bekämpft. Es dringt sehr gut in das Mauerwerk ein und kann dort seine bekämpfende Wirkung entfalten.

Dieses Gas ist jedoch seit 2004 auf Grund seiner Ozonschicht schädigenden Wirkung gesetzlich verboten. Ausnahmegenehmigungen sind weiterhin möglich, die unter Umständen den Einsatz in besonderen Fällen erlauben.

Zur alleinigen Bekämpfung von Insekten wurde seither das Gas Sulfuryl(di)fluorid zugelassen, welches leider keine abtötende Wirkung auf Hausschwamm aufweist.

Bohrlochinjektion - Stand der Technik?

Stand der Technik ist in Deutschland die meist unter Druck durchgeführte Bohrlochinjektion, wie in DIN 68800-4 erwähnt und im WTA-Merkblatt beschrieben ist. Diese Methode ist dennoch durch wissenschaftliche Versuche kaum abgesichert, denn die bestehenden Erkenntnisse beruhen im Wesentlichen auf praktischen Erfahrungen und Vermutungen!! Neuere Informationen liegen im Rahmen einer Diplomarbeit (zit. in  Peylo, 2004)  und in einer Arbeit von  Weber (2000) zur Verteilung von Schutzmitteln in der Wand vor. Peylo wertet die Angaben zusammenfassend so, ";daß in Abhängigkeit von Präparat und Wandaufbau unterschiedlich intensiv verteilte, wolkenartige Wirkstoffbereiche nach der Behandlung vorliegen, jedoch keine gleichmäßig imprägnierte Wand. Die undefinierten Zwischenräume können frei von Sperrmitteln sein."; Abgesehen vom möglichen, ungeschlossenen ";Cordon fungicide"; werden Unmengen Wasser als Lösungsmittel in das Bauwerk verbracht. Bei einem aktiven Schwammbefall ist es wie bei einem Großbrand - hier ist Löschwasser zur Bekämpfung der Flammen unabdingbar! Wasser, welches gegebenenfalls ausgetrocknetem Myzel wieder Lebenskraft verleiht, wenn mann davon ausgeht, dass in Abhängigkeit von Wandaufbau und Baustoffen ein Trennungseffekt zwischen Lösungsmittel und Wirkstoff, wie bei der Chromatographie besteht. Auf dem Wege der Diffusion bleiben die Salze hängen und das Wasser bildet im Endeffekt eine Wirkstoff freie Zone!! (siehe Beispiel).  Je engporiger um so größer die Kapillarität eines Baustoffes, je größer der Trenneffekt! Hier sind grundlegende wissenschaftliche Untersuchungen anzustrengen!

Nicht zu verantworten ist diesbezüglich die brachiale, nicht selten großflächige, großvolumige Behandlung der Wände. Die Bohrlochinjektionen werden blind nach einem Schema vorgenommen, ohne über die Art eines Mauerwerkes nachzudenken. Diesbezüglich sollte den Sachverstänigen und Sachkundigen individueller Handlungsspielraum gewährt werden. Hier gehe ich konform mit   Peylo (2004) der u.U. auch in einer alleinigen Oberflächenbehandlung einen sicheren Schutzerfolg sieht. Voraussetzung sind natürlich sehr sorgfältige Voruntersuchungen und Ausführung durch sehr erfahrene sachverständige Fachleute.

Gesundheitliche Schädigung

Der Hausschwamm ist nicht giftig, seine Fruchtkörper kann man in jungen Stadien sogar essen. Anders sieht es für Bewohner in einem mit Schwamm verseuchten Haus aus. Seine Ausdünstungen und die mit Sporen angereicherte Atemluft verursachen mit zunehmender Expositionszeit Lungenirritationen. Beschrieben werden die Entstehung von extrinsischer Alveolitis (Hypersensivität: Typ 1). Akute Symptome können Lungenödeme und Bronchialkrämpfe nicht ausschliessen. In chronischen Fällen entwickeln sich Lungen-Emphyseme. (in: Manual of Medical Mycology by J. Thorne Crissy et al., Blackwell Sciences, Cambridge, Massachusettes, 1995. 263p).

 

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