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Die BohrWiderstandsMethode oder Resistographie
in der Bauwerksuntersuchung

 

Einführung - Spezialmethode

Festigkeitsprüfung von Holz und Holzwerkstoffen

Mit dieser Meßmethode erhält man wichtige Daten, um die Festigkeit von Konstruktionsholz an Ort und Stelle, quasi zerstörungsfrei zu prüfen.
Hierbei ist die Ermittlung der Holzstruktur über die Messung der Rohdichte und oder der Jahringbreiten von Bedeutung. Holzfestigkeit bestimmende Holzfehler wie Pilz- und Insektenbefall sind in ihren Ausmaßen genau bestimmbar. Mit Hilfe der BWM sind die nicht unmittelbar sichtbaren Schäden leichter zu ermitteln. Die Gefahr der Verbauung latenter Schäden kann bei Sanierungsarbeiten weitestgehend verringert werden.

Das Messprinzip

Bohrkopf     Messsignal    PC / Drucker (Ausdruck von Messkurven)

Ausdruck der Meßkurve Messsignal Bohrkopf (rotierende Bohrnadel)

Mit einem Bohrgerät wird eine Bohrnadel (siehe obige Abbildung und Animation) mit vorgegebener konstanter Vorschubgeschwindigkeit in das zu untersuchende Holz oder Holzwerkstoff gebohrt (max. 30 cm), um messtechnisch einen Bohrwiderstand zu ermitteln.
Das Maß des Bohr-Widerstands, wird durch Leistungsaufnahme (Stromaufnahme) des Bohrmotors während des Bohrvorganges bestimmt. Die Änderungen der Stromaufnahme werden als Messsignal an ein Aufzeichnungsgerät (Elektronikeinheit mit Drucker oder tragbarem PC) weitergeleitet. Jede einzelne Bohrung ist als Diagramm, auf dem der Bohrwiderstand (y-Achse) in Abhängigkeit vom Bohrweg (x-Achse) dargestellt wird, auswertbar. Großer Bohrwiderstand wird durch hohe Amplituden und Leerlauf durch eine Nulllinie der Messkurve kenntlich.

Meßdiagramm von Nadel- und Eichenholz im VergleichDer Bohrwiderstand ist gleichzeitig relatives Maß der Rohholzdichte (r) (Görlacher und Hättich, 1990). Das Eindringen in Hartholz (hohe Rohdichte) bedarf einer höheren Leistungsaufnahme als bei Weichholz (geringere Rohholzdichte). Die Messungen zeigen somit deutlich die Dichteunterschiede zwischen dem härteren Spätholz und dem weicherem Frühholz, womit ggf. auch eine Jahrringanalyse möglich wird. In Bauteilquerschnitten lassen sich ggf. auch, je nach Holzart, Kern- und Splintholzbereiche über den Bohrwiderstand abgrenzen.

Welche praxisrelevanten Aussagen erhält man mittels Bohrwiderstandsmessungen?

Bauplaner und Statiker erhalten genaue Aussagen über die Eigenschaften und Zustand der Holzbauteile - besonders wichtig bei der Sanierung erhaltenswerter denkmalgeschützter Substanz. Es werden Daten ermittelt, die dazu beitragen eine exaktere statische Bewertung bzw. Sortierung der verbauten Hölzer zu erhalten! Erfahrene Statiker und Planer können mit den Ergebnissen aus den Voruntersuchungen zumeist die Sanierungskosten erheblich senken, da ein Austausch visuell vermeintlich stark geschädigter Bauteile, unnötige Verstärkungen oder Hilfkonstruktionen für die historischen Tragwerke sich nicht selten als unnötig erweisen!

Mit BWM zu ermittelnde Sortierkriterien nach DIN 4074-1

Die genaue und relativ schnelle Zustandsermittlung der Hölzer mittels BWM ist ein Vorteil dieser Methode, der sich besonders an hochdimensionierten vebauten Balken erweist. Die einzelnen Bohrungen sind quasi zerstörungsfrei, so dass ohne Bedenken Mehrfachmessungen eng beieinander, sogar in den Tabuzonen der Zugbereiche von Balken vorgenommen werden können.

 

Die BohrWiderstandsMethode und praktische Beispiele

Hausbock- und Pilzschaden:

Ein Fichtenstab (15/15), der äusserlich Altschäden durch den Gemeinen Hausbock (Hylotrupes bajulus L.)  erkennen lässt. Die Querschnittsmessung mittels BWM zeigt im diagonalen Kurvenverlauf beidseitig Frassschädigungen an. Eine im Bild einseitig auffällig niedrige Amplitude kann mehrere Ursachen haben. Im verbauten Holz kann erst durch Gegenmessungen eine "Spiegel-Amplitude" registriert werden, die letztendlich auf Ringschäle schliessen lässt.

Fichte-Stab mit Hausbockschaden und Ringschäle

Geometrie einer Zapfenverbindung:

Säule aus Eiche - Messverlauf durch einen Zapfen (Riegel). Deutlich sind die Übergänge von Zapfenloch und Zapfen erkennbar. Auf der linken Seite wird der Übergang zur Brettverschalung gemessen.

Bohrpassagen durch Verschalung und Zapfenverbindung

Endogene Destruktion in Eiche:

Das "Nest" einer endogenen Fäule im Querschnitt eines Eichenstieles wird tangiert. Im verbauten Holz läßt sich erst durch weitere Messungen die Fäule eindeutig bestimmen. Der gekennzeichnete Rohdichteabfall in der Messkurve weist auf beginnende Destruktion hin und läßt die Interpretation enger Jahrringbreiten nicht zu, da noch individuelle breitere Jahrringe, aber bereits mit geringerer Amplitude ablesbar sind. Enge Jahrringbreiten (eJr) in intaktem Eichenholz haben eine signifikant geringere Rohdichte und die Kurve weist ein typisches "Rauschen" mit deutlich verminderter Amplitude aus, wie im nachfolgenden Bild gut erkennbar ist.

Eiche mit verdeckter Fäule

Enge Jahrringbereiche in Eiche

Ausschnitt aus dem Querschnitt einer Eichenbohle. In den zwei Messungen werden sehr enge Jahrringbereiche tangiert. Die Verminderung der Rohdichte innherhalb der engen Jahrringe wird besonders an Kurve "b)" deutlich. Der grün markierte Kurvenverlauf stellt den Bereich der sehr engen Jahrringe heraus. Eine Fehlinterpretation würde einen Schaden signalisieren und ggf. die Veranlassung für eine fatale Reparatur in praxi zur Folge haben.

Eiche mit engen Jahrringpartien

Literatur

  • Ehlbeck J. und R. Görlacher: Bohrwiderstandsmessungen an eingebautem Konstruktionsholz. Sonderdruck im Rahmen des Sonderforschungsbereiches 315 (Erhalten historisch bedeutsamer Bauwerke) der Deutschen Forschungsgemeinschaft an der Universität Karlsruhe, 1990.
  • Ehlbeck J. und R. Görlacher: Zur Problematik bei der Beurteilung der Tragfähigkeit von altem Konstruktionsholz. Holzbaustatik Aktuell, Ausgabe Juli 1992/2.
  • Görlacher R. und Hättich R.: Untersuchung von altem Konstruktionsholz. Die Bohrwiderstandsmethode. Bauen mit Holz. Juni 1990. Erneuerte Auflage: 1992. Holzbaustatik-Aktuell Juli 1992/2.
  • Rinn, F.: Eine neue Methode zur Messung von Jahrringparametern. Diplomzulassungsarbeit am Institut für Umweltphysik, Universität Heidelberg, 85 Seiten, 1988.
  • Rinn, F.: Eine neue Bohrmethode zur Holzuntersuchung. Holz-Zentralblatt Nr. 34 vom 20.3.1989.
  • Rinn, F.: Ein neues Verfahren zur direkten Messung der Holzdichte bei Laub- und Nadelhölzern. Dendrochronologia 7, 1990.
  • Rinn, F.: Chancen und Grenzen bei der Untersuchung von Konstruktionshölzern mit der Bohrwiderstandsmethode. Bauen mit Holz 9/92, September 1992.
  • Rinn, F.: Gucken, Klopfen, Bohren. Zerstörungsfreie Bohrwiderstandsmessung als Teil der ingenieurtechnischen Holzuntersuchung. Bausubstanz, Mai 1993.
  • Rinn, F.: Bilanz. Stellungnahme zur Bohrwiderstandsmessung. Bausubstanz, Januar 1994.
  • Rinn, F., Fischer H.-B.: Infoblatt 11. Juli 1997
  • RinnTech - Service für Baumkontrolle, Mastinspektionen und Bauwerksuntersuchung

 


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