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Holz zerstörende Insekten in Gebäuden

1. Der Gemeine Nagekäfer (Holzwurm)

Synonyme:

Pochkäfer, Klopfkäfer, Totenuhr

lat.: Anobium punctatum L., Syn.: A. striatum)

Überfamilie: Bostrychoidea, Fam.: Anobiidae

Das Leben der Holz fressenden Larven ("Maden") ist grundsätzlich an Holz (Nadel- und Laubholz) in Gebäuden, Kellern, Höhlen, Bergwerken etc. unter relativ feuchten und nicht so warmen Raumverhältnissen gebunden. Die Larven fressen oder bohren Gänge in das Holz von Möbeln und Innenausstattungen.

Weibchen vom Gemeinen Nagekäfer

Imago, Vollkerf

Deutlich erkennt man die streifig punktierten Deckflügel. Ein Merkmal wonach der lateinische Name "punctatum" bzw. "striatum" gegeben wurde.

Kopulierende Nagekäfer

Paarung

Kopulierendes Nagekäferpärchen. Die Weibchen sind etwas größer als die Männchen. In situ kann man im Monat Juni, zumindest in Mitteldeutschland eine "heiße" Phase dieser Tiere beobachten. Um die Eier abzulegen kriecht das Weibchen kopfüber in die bereits vorhanden Ausfluglöcher und zieht sogar die Männchen hinterdrein, sofern die Tiere sich nicht rechtzeitig voneinander lösen konnten.

Adultes Weibchen, kurz nach Eiablage

Eiablage

Unter Stressbedingungen, wenn die adulten Weibchen in Beobachtungsgefäßen unter Licht bewegt gehalten werden, legen sie Eipakete an den sich bietenden Oberflächen ab. Ein Eipaket kann bis zu ca. 100 Eiern enthalten. In vivo legt ein Weibchen diese Mengen nicht einmalig ab. Anzunehmen ist, dass sie kleinere Pakete an mehreren Stellen unterbringt. Der Autor beobachtete, dass die Weibchen nach Kopulation sukzessive mehrere bereits vorhandene Ausfluglöcher belegten.

Larve (L2) des Gemeinen Nagekäfers

Der Holzwurm

Die Larve des Gemeinen Nagekäfers im L2-Stadium. Im L3-Stadium färbt sich der chitinöse Kopf auffällig dunkel braun aus.

Kotbild

Nagsel vom Holzwurm

Kotbild vom "Wurmmehl" der Holzwurm-Larven des Gemeinen Nagekäfers
Vergleich von Brotkäfer und Gem. Nagekäfer - Aufsicht

Vergleich mit Stegobium

Brotkäfer (Stegobium paniceum Sp) und Gemeiner Nagekäfer (Ap) bereiten in Praxi nicht selten Schwierigkeiten bei der Bestimmung. Im Vergleich werden beide Arten in der Aufsicht nebeneinander gestellt. Sie unterscheiden sich deutlich, vor allem in Farbe und Behaarung. Der Brotkäfer ist unter der Lupe deutlich mit flaumigen Härchen besetzt.

Brackwespe - Parasit von Nagekäferlarven. Wespe mit Legestachel

Schlupfwespe als Parasit

Dort wo sich eine hohe Abundanz der Wirtstiere einstellt lassen die Räuber nicht lange auf sich warten. Hier prüft eine Brackwespe nach einer günstigen Eiablagemöglichkeit. Deutlich ist der Legestachel des Weibchens zu sehen. Das Tier ist flügellos.

Das Weibchen stösst den Legebohrer in den Gang, in dem die Käferlarve gewittert wurde, lähmt diese durch einen Stich mittels Legebohrer und legt ein Ei. Die in kurzer Zeit schlüpfende Wespenlarve frisst die Käferlarve fast vollständig auf. Nach der Verpuppung, am Ende des Pochkäfer-Larvengangs, nagt das fertige Imago einen schmalen, an die Holzoberfläche führenden Gang.

In der Literatur wird die Schlupfwespe Spathius exarator als der häufigste Parasit an Anobien beschrieben.

Lagererzwespe als natürlicher Parasit im Kampf gegen den Kornkäfer in Getreide

Foto mit freundlicher Genehmigung der Fa. BIP

Lagererzwespe als Parasit

(Lariophagus distinguendus,
Fam. Pteromalidae)

Neuerdings wurde der Einsatz der Lagerwerzwespe als omnipotente biologische Methode gegen Anobiiden, sogar in der Tagespresse favorisiert. Als gefeierte Alternative zur chemischen Bekämpfung sind leider auch dieser Wespe Grenzen gesetzt. Neueste Informationen zur Effektivität dieser Wespe in Praxi erfährt der Interessent bei Biologische Beratung Ltd. (BIP)

Bemerkungen zur Biologie von Anobium punctatum L.:

Die Larven erzeugen durch Aufschlagen des Kopfes an die Gangwand ein Klopfgeräusch, daher der Name Pochkäfer, Totenuhr etc.

Staublaus überquert Frassgang von Ptilinus

Ebenfalls als Totenuhr (engl.: deathwatch) wird die Staublaus Trogium pulsatorium (Linnaeus, 1758), die bis zu 2 mm groß wird und häufig in Häusern vorkommt, bezeichnet. Hier schlägt das Weibchen mit den Hinterleib auf die Unterlage und erzeugt somit Klopfgeräusche.

Bei den Bostrychoidae ist eine intrazelluläre Symbiose weit verbreitet. Bei den Anobiidae sitzen die pilzlichen Symbionten in den Zellen von Darmausstülpungen um die Larven mit wichtigen Wuchsstoffen z.B. den Vitaminen des B-Komplexes zu versorgen (Buchner 1930, Breitsprecher 1928, Koch, A. 1933. Blewett and Fraenke,1944 E. A. PARKIN, 1952). Die Übertragung der Symbionten erfolgt durch Einschmieren der dann von den Larven teilweise verzehrten Eihüllen. Dagegen "beherbergen" die dem Holzschützer nicht unbekannten Lyctidae (Lyctus-Arten) ihre Symbionten in besonderen Mycetomen und die Eier sind zur Weitergabe der Symbionten von vornherein infiziert.

Umfassendere und weiterführende Informationen zur Biologie finden Sie auf folgenden Seiten:

 

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